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Tutor Chad Matheny verrät die besten Orte für das Jazz

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Wer in Berlin auf der Suche nach richtig gutem Jazz ist, oder mit seiner Jazz-Band, oder als Solokünstler eine Auftrittsmöglichkeit sucht, hat die Qual der Wahl. Das Spektrum reicht von traditionelleren Jazz-Clubs, über experimentelle Jazz-Bars, bis hin zu vielseitigen und spannenden Festivals. Wer seine Fühler ausstreckt dem wird früh bewusstwerden: Die Berliner Jazzszene ist wild, bunt und lebendig!

Aber wohin am besten gehen? Wir fragen jemanden der es wissen muss: Chad Matheny. Er ist nicht nur Modulleiter für „Personal and Business Development“ und „Live-Sound“ am BIMM Berlin, er ist selbst auch ein erfolgreicher Musiker, der bereits Dutzende von Alben und EPs aufgenommen hat (zum Beispiel mit seinem Projekt Emperor X) und bekennender Jazz-Fan! Seine Begeisterung für das Genre ist sogar so groß, dass er mit seinen Partnern das Donau115 betreibt – eine großartige Jazz-Bar im Berliner Szene-Stadtteil Neukölln. Erst kürzlich ist das Donau115 sogar von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien für die „kulturell herausragende Programmgestaltung“ mit einem Preisgeld von 40.000 Euro ausgezeichnet worden. Und das Beste ist: Das ganze Geld fließt unmittelbar zurück in den Ausbau des Veranstaltungsortes und in die Jazz-Community.

Chad, was verbindet dich persönlich mit Jazz?
Berlin! Wo ich herkomme, aus Louisville im US-Staat Kentucky, stehen coole junge Leute auf laute und aggressive Rockmusik und Hip-Hop. Aber in Berlin ist das gleiche avantgardistische Milieu, sozioökonomisch gesehen, nicht dem Punk und Noise verfallen, sondern dem Oddball-Jazz. Als ich das erste Mal nach Berlin kam, hat mich das wirklich von den Socken gehauen! Ich hatte immer Respekt vor den berühmten Jazz-Größen, aber ich nahm an, dass es eine musikalische Ära war, die der Vergangenheit angehörte. Ich lag falsch: Jazz ist mehr als Musik in Berlin, es ist eine Lebensweise. Mit einem Veranstaltungsort oder einem Label oder irgendeinem anderen kuratorischen Konstrukt muss man auf so etwas reagieren, und in Berlin ist Jazz die Musik, die es zu fördern gilt. Also fördern wir sie.

Was magst du am meisten an der Jazzszene in Berlin?
Jazz in Berlin ist eigenwillig, eindringlich und vielfältig. Es gibt viele Jazz-Künstler*innen, die einen traditionellen Stil haben und viele von ihnen sind großartig. Aber auf jeden Einzelkünstler*in kommen fünf oder sechs andere, die den Jazz verändern oder dessen DNA verwenden um etwas Neues zu kreieren. Jazz-Pop, Jazz-Rock, Ambient-Jazz, Jazz-Chanson, Electro-Jazz… In Berlin kann man das Wort “Jazz” einfach an Stelle von „Musik“ setzen und es ergibt Sinn. Ich denke, das Jazz-Ethos, welches sich hier durchgesetzt hat, ist keine Nostalgie wie man sie sonst oft vorfindet, sondern steht für Offenheit und eine vorwärtsgerichtete Bewegung. Zumindest in Berlin ist Jazz definitiv ein Teil der Zukunft – nicht der Vergangenheit. Ich könnte unzählige Beispiele nennen, wenn ich an die Live-Konzerte im Donau115 der letzten Jahre zurückdenke.

Verrätst Du uns Deine Lieblingsorte in Berlin, an denen es wirklich guten Jazz zu erleben gibt?

Bekannte Clubs wie B-Flat und A-Trane sind großartig und sehr renommiert, aber Neukölln hat sich in den letzten Jahren definitiv zu einem neuen Zuhause für zeitgenössischen Jazz entwickelt. Der Kiez ist in die Rolle des Underdogs geschlüpft. Neukölln ist so spannend, weil hier so viel passiert und es wenige Grenzen gibt. Ich werde Euch jetzt ein paar meiner Lieblingsorte verraten:

Donau115 – Mein Zuhause

Meine Zeit bei Donau115 hat meine Entwicklung sowohl als Zuhörer als auch als Künstler stark verändert und wird für mich auf Ewig ein unglaublicher Ort für Jazz-Enthusiasten und Musikfans bleiben. In dieser entspannten Jazz-Bar gibt es so ziemlich jedes zeitgenössische Sub-Genre des Jazz zu entdecken. Die Jazz-Musik im Donau115 lotet die Grenzen zur elektronischen Musik, über Soul, bis hin zur Neo-Klassik aus. Es gibt keinen festen Eintrittspreis. Als Zuschauer wirft man 5-10 Euro Spende in eine Dose die während des Konzerts herumgereicht wird. Das Geld fließt dann direkt an die auftretenden Musiker.

Ort:
Donaustraße 115, U7 Rathaus Neukölln

Das Peppi Guggenheim ist berühmt für seine tollen Shows!

Jeder Besuch im Peppi Guggenheim ist ein Erlebnis. Hier erwartet euch eine gemütliche und entspannte Atmosphäre, ein buntes Konzertprogramm mit Fokus auf Jazz und besonders günstige Getränkepreise! Und wenn an Samstagen im Anschluss an die Shows ein DJs auflegt kann es schon mal vorkommen, dass alle Tische beiseitegeschoben werden und alle anfangen zu tanzen …

Ort:
Weichselstraße 7, U7 Rathaus Neukölln

Das Sowieso ist legendär

Was im ersten Moment völlig unscheinbar und versteckt ist, entwickelt sich bei einem Besuch zu einer außergewöhnlich guten Jazz-Location mit einem sehr schönen Live-Programm! Es fühlt sich immer ein wenig an wie ein privates Wohnzimmer, was sehr reizvoll ist. Neben Jazzmusik finden ihr dort auch Theateraufführungen. Geht einfach mal hin und lasst euch überraschen!

Ort:
Weisestraße 24, U8 Leinestraße

Das Loophole: Ein Schlupfloch für Nachtschwärmer

Was wäre Neuköllns Nachbarschaft ohne das Loophole? Die kleine Bar hat eine Bühne für experimentelle Musik, darunter auch Jazz, Filmvorführungen und Kunstperformances. Die gelegentlich stattfindenden Jazzabende kann ich wärmstens empfehlen!

Ort:
Boddinstr. 60, U7 Rathaus Neukölln